Tötungen im sozialen Nahraum

Einem dramatischen Geschehen bis hin zur Tötung gehen in der Regel vielfältige Krisen, Drohungsszenarien und Schädigungsaktionen voraus.

Von der Gewalt bedroht oder betroffen sind insbesondere Menschen aus dem sozialen Nahraum: PartnerInnen und Familienmitglieder, jedoch auch Personen, denen ein Gefährder in einem Arbeitsverhältnis mehr oder weniger nahestand.

 

Partnertötungen

Mord oder Totschlag am Beziehungs- oder Sexualpartner (Intimizide) erfolgt meist in etablierten Partnerschaften, seltener in noch nicht etablierten, flüchtigen oder sporadischen intimen Beziehungen.

 

Auch andere familiäre Beziehungen unterliegen tödlichen Gefahren. Die nachfolgenden Tötungsformen erfolgen häufig "im Stillen". Ihre Verhütung bedürfte einer erhöhten Aufmerksamkeit des sozialen Umfelds bzw. involvierter staatlicher Organe:

 

Kindstötungen

Unter diese fallen einerseits die Tötung des Neugeborenen (Neonatizid), andererseits andere Formen des Tötens eines Kindes (Infanticide), insbesondere durch passives Unterlassen oder Vernachlässigen des Kindes. Häufige Vorboten solcher Taten sind depressive Zustände der späteren Täterin/des Täters.

 

Familienmorde

Das Auslöschen der Familie (Familizide/Family Annihilation) geschieht - oft vor dem Hintergrund langdauernder Partnerschafts- oder Trennungskonflikte - meist durch das männliche Familienoberhaupt, welches nach der Tötung häufig Selbstmord begeht („erweiterter Suizid“).

Die immer wieder vorkommenden Familienmorde zeigen auf, wie wichtig soziale Aufmerksamkeit, fachliche Hilfestellungen und ein früh einsetzendes, strukturiertes Fall- und Konfliktmanagements zugunsten einer wirksamen Prävention solcher Taten sind.

 

Workplace-Violence

Bei Tätern, welche eine Bereitschaft zu schweren Gewaltaktionen am Arbeitsplatz insbesondere gegen KollegInnen oder gegen Vorgesetzte entwickeln, handelt es sich meist um Männer. Da sie ihrer beruflichen Aufgabe und ihrem Status meist eine hohe Bedeutung zuschreiben, Arbeit für sie identitätsstiftend und ein "zweites Zuhause" sein kann, kommen sie im Falle von qualifikatorischen Herabstufen oder von Kündigungen in eine schwere "Männlichkeitskrise". Manche Betroffen wollen diese "Degradierungserfahrungen" mit Formen von Männlichkeitsbeweisen kompensieren -  bis hin zur Androhung oder Ausübung von Gewalt.