Tötungen im öffentlichen Raum

Amokartige Tötungsereignisse spiegeln auf hochdramatische Art die totale Aktionsmacht des Täters über ein Geschehen und die betroffenen Menschen wider. Die Dynamik dieser Art der Mehrfachtötung lässt sich wie folgt skizzieren:

 

Der Täter richtet sich, scheinbar unvermittelt und ohne Vorwarnung, gegen andere Menschen. Er allein produzent den überfallartigen Angriffs und versucht er, die Kontrolle über Situation und Handlung an sich zu reißen. Der Geschehensablauf ist von der Wucht und Schnelligkeit seines Gewalthandelns geprägt. Zugleich steht der Täter unter Handlungsdruck.

 

Die Unvorhersehbarkeit seiner Aktion bringt mehrere Opfer in eine nahezu ausweglose Situation. Die Opferauswahl des Täters kann gezielt oder zufällig sein. Das Gewaltgeschehen kann Menschen treffen, die in Beziehung zum Amoktäter stehen, oder ohne den Täter zu kennen, zufällig involviert werden.

 

Der Täter lässt den Opfern keine Chance, seiner situationalen Allmacht zu entkommen. Wegen der „Waffenungleichheit“ sind Abwehr und Verteidigung der unmittelbaren, akuten oder über eine gewisse Zeitdauer hinweg andauernden Gefahr für die Betroffenen nahezu unmöglich. Die Steigerung der Gewalt gegenüber bedrohten oder gefährdeten Personen ist im Verlaufe seines Angriffs bis hin zur gezielten und mehrfachen Tötung möglich.

 

Die Tatsituation stellt eine Stresssituation für alle Beteiligten – Täter wie Opfer - dar. Deren Stress-Stabilität ist unter den Faktoren von Zeit- und Aktionsdruck bzw. Angst gefährdet oder herabgesetzt ist.

 

Das Ungleichgewicht zwischen Opfern und Täter kann in der Regel nur durch Intervention von außen aufgelöst werden, also durch den massiven Einsatz von Polizeidienstkräften.

 

Am Ende der ganz oder teilweise ausgelebten Aktionsmacht tötet sich der Täter - gerade beim sogenannten "Amok" selbst oder er lässt sich - im Sinne eines Abdelegierens der Selbsttötung - von der Polizei oder anderen töten.